Wertvolle Lebensräume schützen und pflegen, bedrohte Arten fördern, die ökologische Infrastruktur planen - dies alles in enger Zusammenarbeit mit Gemeinden, Landwirtschaft und Bevölkerung: Die Abteilung Naturförderung bietet in digitaler Form einen kleinen Einblick in ihre Tätigkeit.
Lebensräume schützen | Regeneration Hochmoor Mirrenegg
Intakte Moore beherbergen seltene Pflanzen und Tiere und speichern Wasser sowie grosse Mengen Kohlenstoff. Viele Moore wurden in der Vergangenheit etwa für die landwirtschaftliche Nutzung oder für die Torfgewinnung entwässert. Der Kanton Bern möchte diese wertvollen Gebiete aufwerten und langfristig erhalten. Deshalb setzt er auf gezielte Regeneration, so beispielsweise im Naturschutzgebiet Mirrenegg in der Gemeinde Oberwil am Brienzersee.
Das Gebiet liegt in der Moorlandschaft Habkern / Sörenberg und umfasst drei räumlich getrennte Hochmoorflächen. Durch das Gebiet ziehen sich offene Entwässerungsgräben, welche das Wasser bis anhin aus dem Moor leiteten. Der Kanton Bern setzt sich zum Ziel, die entwässernden Strukturen aufzuheben und den natürlichen Wasserhaushalt wiederherzustellen.
Im August 2025 begannen die Regenerationsarbeiten. Bisher wurden über 150 Holzspundwände in die bestehenden Entwässerungsgräben eingebaut, um den raschen Abfluss aus dem Moor zu verhindern. Die offenen Gräben wurden anschliessend mit Torf gefüllt und mit mooreigener Vegetation bedeckt. Dadurch wird der Wasserspiegel angehoben und das Wasser im Moor wieder zurückgehalten. Langfristig verbessert dies die hydrologische und ökologische Qualität des Hochmoors.
Die Regenerationsarbeiten werden voraussichtlich im Herbst 2026 fertig gestellt. Unterstützt wird das Bauprojekt von der Wyss Academy for Nature und dem Bundesamt für Umwelt.
Weitere Informationen: Moore
Impressionen zur Hochmoorregeneration Mirrenegg
Bedrohte Arten fördern | Die glänzende Glattschnecke
Im Auftrag der Abteilung Naturförderung wurden in den letzten Jahren umfassende Untersuchungen zur Glänzenden Glattschnecke (Cochlicopa nitens) durchgeführt und Artenschutzmassnahmen ergriffen. Diese Schnecke ist die grösste heimische Glattschneckenart und lebt an den Ufern von Seen und Flüssen. Die Populationen in der Schweiz sind jedoch sehr klein. Die Art ist vom Aussterben bedroht. Zu Beginn des Projekts waren nur acht Fundorte bekannt, darunter ein Standort am Dittligsee in der Gemeinde Forst-Längenbühl.

Am Dittligsee entbrannte eine Diskussion über die geplante Absenkung des Wasserpegels, welche die landwirtschaftliche Nutzung der zunehmend feuchter werdenden Uferbereiche erleichtern sollte. Für die Glänzende Glattschnecke wäre ein solcher Eingriff jedoch fatal gewesen: Die Untersuchungen zeigten, dass die Art am Dittligsee nur auf wenigen Quadratmetern des Ufers vorkommt und auf feuchte, grundwassernahe Standorte angewiesen ist. Ein Eingriff in das empfindliche hydrologische Gleichgewicht wäre daher zu riskant gewesen. Stattdessen wurde die Bewirtschaftung an die Bedürfnisse der Schnecke angepasst, sodass ihre Population am Dittligsee auch künftig geschützt bleibt.
Die gewonnenen Erkenntnisse über die Lebensraumansprüche der Art ermöglichten zudem die gezielte Suche nach weiteren geeigneten Standorten. Im Kanton Bern konnten dabei zwei neue Populationen entdeckt werden – in den Naturschutzgebieten Gwattlischenmoos und Fanel. Zudem wurden zahlreiche weitere seltene Schneckenarten gefunden.
Trotz dieser positiven Entdeckungen bleibt die Glänzende Glattschnecke stark bedroht. Der Klimawandel gefährdet zunehmend ihre feuchten Lebensräume – einzelne Populationen, wie am Rhein, sind bereits vom Aussterben bedroht. Die Massnahmen am Dittligsee geben jedoch Hoffnung, dass die Glänzende Glattschnecke auch unter dem verstärkten Einfluss des Klimawandels langfristig erhalten bleibt.
Die Glänzende Glattschnecke und ihre Bedeutung für die Biodiversität
Obwohl die Glänzende Glattschnecke nur bis zu 7.5 mm gross wird, ist sie für die ökologischen Systeme sehr wichtig: Als Zersetzerin baut sie organisches Material ab und trägt zum Nährstoffkreislauf feuchter Uferbiotope bei. Gleichzeitig dient sie Vögeln, Igeln und Amphibien als Nahrungsquelle. Darüber hinaus ist sie ein wertvoller Indikator für intakte Lebensräume – wo sie vorkommt, stimmen die ökologischen Bedingungen. Ihr Verschwinden wäre nicht nur ein Verlust für die Art selbst, sondern auch ein Warnsignal für den Zustand dieser seltenen Feuchtgebiete.
Auch wenn der konkrete Nutzen einer einzelnen Art nicht immer unmittelbar erkennbar ist, trägt jede Art als Teil eines komplexen Netzwerks zum Gleichgewicht, zur Stabilität und der Widerstandskraft unserer Umwelt bei. Wird dieses Zusammenspiel gestört, gerät das gesamte System aus den Fugen.
Weitere Informationen: Biodiversität
Wichtige Lebensräume identifizieren und priorisieren | Fachplanung ÖIBE
Der Kanton Bern hat die Fachplanung Ökologische Infrastruktur Bern (ÖIBE) erstellt. Sie zeigt auf, welche Flächen besonders wichtig sind für die Natur und umfasst Feucht-, Mosaik- und Trockenlebensräume sowie Landschaftsverbindungen. Folgende weitere Teilebenen sind zurzeit in Bearbeitung: alpine Lebensräume, Gewässer und Siedlungsgebiet.
Die Fachplanung ÖIBE ist eine wichtige Grundlage für die Richt- und Nutzungsplanung sowie für Bauprojekte und Bestandteil des Naturschutzes.
Sie umfasst eine GIS-basierte Fachkarte, welche die wichtigsten Gebiete für den Naturschutz visualisiert. Zudem beinhaltet sie digitale Instrumente, die regionale Auswertunten ermöglichen und die Auswirkungen von Klimawandel und Bevölkerungsentwicklung auf die Biodiversität sichtbar machen.
Weitere Informationen: Ökologische Infrastruktur
Lebensräume schaffen, Erträge sichern | Biodiversität in der Landwirtschaft
Biodiversitätsförderflächen (BFF) sind gezielt bewirtschaftete Flächen in der Landwirtschaft, die der Förderung von Pflanzen- und Tierarten dienen. Dazu gehören beispielsweise extensiv genutzte Wiesen, Hecken, Buntbrachen oder Hochstammobstgärten. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur ökologischen Vernetzung und zum Erhalt der Artenvielfalt. Landwirtinnen und Landwirte werden für die BFF mit Direktzahlungen entschädigt.
Nicht alle Biodiversitätsförderflächen sind gleich wertvoll: Flächen der Qualitätsstufe I (Q I) liegen auf der normalen Landwirtschaftsfläche und erfüllen Mindestanforderungen. Qualitätsstufe II (Q II) steht für besonders artenreiche Flächen. Derzeit befinden sich rund 15 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN) im Kanton Bern auf Q I. Davon erfüllen rund 7 % die Kriterien für die Q II. Diese weisen eine deutlich höhere ökologische Qualität auf. Ziel ist es, den Anteil der Flächen in Q II weiter zu erhöhen. Das Inforama berät Landwirtinnen und Landwirte dabei. Beratung | INFORAMA
Wie gemeinsam Lösungen entstehen
Die Landwirtschaft nutzt im Alltag natürliche Ressourcen und beeinflusst gleichzeitig die Umwelt. Die Natur stellt Dienstleistungen wie Bestäubung, Wasser und Nährstoffe für die Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung. Sie kann auch direkten Einfluss auf die Bewirtschaftung haben, wie beispielsweise durch Vernässungen aufgrund des Bibers. Beispiele aus dem Kanton Bern zeigen auf, dass durch eine gute Zusammenarbeit aus scheinbaren Herausforderungen wertvolle Lösungen geschaffen werden können.







