Im Dickicht raschelt es leise, wenn sich Wildschweine zurückziehen. In der Dämmerung gleiten Fledermäuse wie das seltene Braune Langohr lautlos durch die Baumkronen. Alte Baumhöhlen dienen ihnen als Sommerquartiere. Lichte Föhrenwälder gehen hier in feuchte Seeauen über, in denen das Wasser den Rhythmus vorgibt. Trotz der geometrischen Struktur des Waldes überrascht das Gebiet mit einer grossen Vielfalt an Lebensräumen: das Komplexwaldreservat Fanel.
Was ist besonders am Komplexwaldreservat Fanel?
Das Fanel ist ein wertvolles Feuchtgebiet am nordöstlichen Ufer des Neuenburgersees. Es liegt grösstenteils in einem Naturschutzgebiet und ist zudem eines von zehn Wasser- und Zugvogelreservaten in der Schweiz mit internationaler Bedeutung. Entsprechend bekannt ist das Gebiet bei Vogelbeobachterinnen und Vogelbeobachtern. Seit 2026 besteht hier ein Komplexwaldreservat. In solchen Reservaten werden wertvolle Lebensräume gezielt gefördert und langfristig erhalten. Davon profitieren zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
Das Komplexwaldreservat Fanel ist eines der grössten Waldreservate im Schweizer Mittelland. Dass sich hier verschiedene Waldstrukturen auf grosser Fläche entwickeln können, ist für viele seltene Arten von entscheidender Bedeutung.
Vor der Juragewässerkorrektion vor rund 150 Jahren war das Dreieck zwischen Bieler-, Murten- und Neuenburgersee ein ausgedehntes Sumpfgebiet. Mit der Trockenlegung verschwanden viele dieser Feuchtgebiete. Besonders Amphibien verloren dadurch ihre Lebensgrundlage. Im Waldreservat Fanel können sich Amphibien in besonnten Feuchtbiotopen vermehren. Unter umgefallenen Baumstämmen finden sie zudem Nahrung und Schutz.
Gut zu wissen
- Wasser- und Zugvogelreservat: Wasser- und Zugvogelreservat: 2052 ha gross, umfasst Wasser- und Landflächen in vier Kantonen (BE, FR, VD, NE), internationale Bedeutung, geschützt durch eine Bundesverordnung.
- Kantonales Naturschutzgebiet: 498 ha gross, umfasst Wasser- und Landflächen am Seeufer inklusive der Seewälder.
- Komplexwaldreservat: 182 ha gross, regelt die Bewirtschaftung der Seewälder im Fanel im Einklang mit den Zielen der übergeordneten Schutzbeschlüssen.
Im Fokus: Mittelspecht braucht lichte Wälder

Der Mittelwald ist eine traditionelle Form der Waldbewirtschaftung. Dabei wechseln sich grosse lichte Bereiche mit dichten Sträuchern ab. Alte grosse Bäume werden dereinst überall im Mittelwald ein lockeres Kronendach bilden. So entstehen vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Besonders wertvoll ist der Mittelwald für seltene Arten wie den Mittelspecht. Er braucht alte Bäume, strukturreiche Wälder und genügend Licht. Damit der Wald offen und abwechslungsreich bleibt, werden Sträucher und kleinere Bäume regelmässig zurückgeschnitten. Dadurch entstehen sonnige Flächen mit reicher Krautschicht, Sträuchern und inneren Waldrändern. Von diesen Lebensräumen profitieren zahlreiche Insektenarten, über 600 holzbewohnende Käfer und seltene Schmetterlinge.
Mit der Einrichtung des Waldreservats im Jahr 2026 beginnt die Entwicklung zum Mittelwald. Bis typische Mittelwaldstrukturen sichtbar werden, dauert es jedoch ein bis zwei Jahrzehnte.
Was wird konkret gemacht – und wie?
Das sogenannte Komplexreservat hat Anteile eines Naturwald- sowie eines Sonderwaldreservats. Konkret heisst das: Im grösseren Teil des Waldes (55 %) erfolgen keine aktiven Holzerei- oder Pflegeeingriffe mehr. Der Wald entwickelt sich hier in seiner natürlichen Dynamik (Naturwaldreservat). Auf den restlichen rund 45 % wird die Biodiversität mit gezielten waldbaulichen Eingriffen gefördert (Sonderwaldreservat). Dazu gehört zum Beispiel die Pflege der Waldränder und der rund 30 ha grosse Mittelwald.
Aus der Mischung von Sonder- und Naturwaldreservat entstehen viele verschiedene Lebensräume. Gerade die starken Unterschiede werden dafür sorgen, dass hier künftig immer mehr Arten ein Zuhause finden.
Die Entwicklung des Waldes wird wissenschaftlich begleitet. Manchmal wird dies in Form von Messgeräten oder speziellen Markierungen an Bäumen sichtbar.

Das macht der Kanton Bern
Als Kanton sorgen wir dafür, dass die besonderen Naturwerte im Kanton erhalten werden. Wir beraten und unterstützen die Waldbesitzer/innen mit einem einmaligen Beitrag pro Hektare zu Beginn der Vertragsperiode.
Gemeinsam mit Umweltfachpersonen und den Waldbesitzer/innen definieren wir die Ziele und Massnahmen für die Bewirtschaftung des Waldes. Wir schliessen auch Reservats- oder Bewirtschaftungsverträge mit den Trägerschaften ab und entrichten in diesem Rahmen pauschale Beiträge; so beteiligen wir uns an den Kosten, die entstehen, wenn die Massnahmen umgesetzt werden. Weiter koordinieren wir die Erfolgskontrolle und beobachten, ob die Massnahmen wirken oder angepasst werden müssen.
Sind Sie Waldbesitzerin oder Waldbesitzer und möchten die Biodiversität in Ihrem Wald fördern? Informieren Sie sich hier, was Sie in Ihrem Wald tun können:
Für wen sind die Massnahmen gut?
In Kürze
| Gemeinden | Gampelen und Ins |
| Fläche | 183 Hektar |
| Besitzverhältnisse | Kanton Bern |
| Wird gepflegt und bewirtschaftet von | Staatsforstbetrieb, Justizvollzugsanstalt Witzwil |
| Besondere Merkmale | Wasser- und Zugvogelreservat, Naturschutzgebiet, Feuchtgebiet, Feuchte- und Lichte Lebensräume, strukturreicher Mittelwald |